2020 08 29 Shemer Scharff
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56. Kammerkonzert | Violoncello²

Daniela Shemer, Violoncello
Valentin Scharff, Violoncello

Zum Virtuellen Konzertsaal1

 Programm:

Jean-Baptiste Barrière (1707 - 1747) Celloduo
David Popper (1849 - 1913)  Suite für 2 Celli
Nicolò Paganini (1782 - 1840) Celloduo "Moses-Variationen"
Olivier Greif (1950 - 2000) - Sonate für 2 Violoncelli "La Bataille d'Agincourt" (Die Schlacht von Agincourt)

Die Cellistin Daniela Shemer, 1988 in Jerusalem geboren, spielte seit 2009 in dem West-Eastern Divan Orchestra unter der Leitung von Daniel Barenboim. Während der Saison 2019/20 spielt sie als feste Aushilfe im hr-Sinfonieorchester. Sie ist eine leidenschaftliche Kammermusikerin, und interessiert sich auch für zeitgenössische Musik. Daniela ist Mitglied des Else Ensembles, sowie des SWR Experimentalstudio Ensemble. Sie war Mitglied der International Ensemble Modern Academy und machte ihren Masterabschluss an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt.
Ihr Ehemann Valentin Scharff ist seit 1999 Vorspieler der Cello-Gruppe im hr-Sinfonieorchester. Besonders als Kammermusiker in verschiedenen Formationen spielte Scharff auf zahlreichen Festivals, u.a. in Luzern, Les Arcs, La Prés und beim Beethoven-Fest Bonn. Er gab Konzerte in ganz Europa, den USA und Japan. Er spielte 1997 zusammen mit Emma Savouret die französische Erstaufführung von Olivier Greifs "Bataille d'Agincourt" in Anwesenheit des Komponisten.  >> mehr 

Weitere Informationen zum Programm:

Olivier Greif wurde am 3. Januar 1950 in Paris geboren. Sein Vater hatte in Polen Klavier studiert, bevor er nach Frankreich emigrierte und Arzt wurde. Olivier, ein Wunderkind, entdeckte das Klavier im Alter von drei Jahren in einem Kindergarten. Er trat im Alter von zehn Jahren in die CNSM (Pariser Konservatorium) ein und studierte Klavier bei Lucette Descaves und Komposition bei Tony Aubin. Er perfektionierte seine Fähigkeiten in New York bei Luciano Berio. Von 1961 bis 1981 komponierte er eine erste Serie sehr persönlicher Werke, abseits der modischen Trends. Dann hörte er für etwa zehn Jahre auf zu komponieren, um sich einer "spirituellen Suche" bei einem indischen Meister in New York zu widmen. Ab 1991 schrieb er eine neue Serie intensiver und dunkler Werke. Er erinnert an Themen, die seine Kindheit prägten: der Krieg, der Aufenthalt seines Vaters in Auschwitz, das Verschwinden eines großen Teils seiner Familie in den Lagern. Er vertonte Gedichte von Paul Celan. Nach schwerer Krankheit starb er am 13. Mai 2000 in seinem Haus.

La Bataille d'Agincourt - Sonate für 2 Violoncelli, opus 308 (1995)
Beschreibung des Werks (© Jean Henri Huber, Musique Contemporaine.Info Hier Originaltext auf Französisch): 
Ein Stück mit einer äußerst seltenen, fiebrigen, modalen Meditation über Krieg und Tod; es lehnt sich an ein mittelalterliches Thema an (die Schlacht von 1415 im Artois), das aus dem 1. Satz ("Molto lento, quasi Kadenz") stammt, eher statisch, und kündigt die bevorstehende Schlacht und ihren Ausgang an (fatal für die Franzosen); der 2. Satz ("Chaconne"), zunächst fiebrig mit der Aufforderung zum Krieg (mit Galoppieren der Pferde), dann mit Rasseln, das die Erschütterungen von Waffen simuliert, ist ein besonders chromatisches Stück (in Halbtönen); Der 3. Satz ("Shtil, di nacht is ojsgesternt", ein Lied aus dem Warschauer Ghetto) ist ein langes klagendes Adagio, ein Trio mit dem Erwachen der Toten in der Vorhölle, dann kehrt die Schlacht in eine andere Welt zurück; der 4. Satz ("Rondeau de la Belle Dame sans Merci!") inspiriert von der Ballade des Englischen Dichters John Keats ist in der Tat ein Totentanz; die 2 Celli sind manchmal fusioniert, manchmal antagonistisch;

Notizen des Komponisten zu seinem Werk (hier die französische Version):
La Bataille d'Agincourt. (Die Schlacht von Agincourt). Diese Sonate wurde erstmals (1995) für Solocello konzipiert. Es erwies sich in dieser Form schnell als unspielbar. Im Jahr 1996 wurde es für zwei Celli völlig neu gestaltet. Es handelte sich nicht um eine einfache Transkription, sondern um eine echte Neukomposition.
Das Werk folgt einem traditionellen viersätzigen Schema: ein einleitender erster Satz, dessen freie - und scheinbar improvisierte - Entfaltung in Fantasieform zu erfolgen scheint, gefolgt von einem Scherzo, einem Adagio und einem Finale mit Variationen. Der Untertitel "The Battle of Agincourt / La Bataille d'Agincourt" (die Engländer sagen "Agincourt" und nicht "Azincourt") rührt daher, dass das Thema eines weltlichen Liedes ("The Agincourt's tune", aus dem Jahr 1415, dem Jahr der Schlacht), das später als Grundlage für einen religiösen anglikanischen Hymnus diente, innerhalb der Bewegung zweimal zu hören ist. Diese beiden Zitate sind vom Geist her sehr unterschiedlich. Der erste, der den ersten Satz wie eine Erscheinung heimsucht, besteht aus langen Werten; der zweite, der als Thema für die Variationen im Finale dient, besteht aus kurzen Werten, die den Charakter einer Sicilienne annehmen. Sie legen jedoch gleichsam einen großen Bogen über die gesamte Sonate und verstärken sowohl ihre strukturelle Einheit als auch ihren Charakter als eine gewaltige Meditation über Krieg und Tod.
Nach der ausgiebigen Rhapsodie des ersten Satzes klingt der zweite Satz - mit dem Titel Chaconne - wie ein Erwachen. Aber es ist ein Erwachen der Toten, und ich habe daran gedacht, ihm den Untertitel "Tanz der Toten" zu geben. Beim Komponieren hatte ich die Vision, dass die Toten von Azincourt in Form von Skeletten auf das Schlachtfeld zurückkehren und erneut einen gnadenlosen Kampf austragen.
Für die Ausarbeitung des langen klagenden Adagios, das den dritten Satz der Sonate bildet, ließ ich mich von einem Lied aus dem Warschauer Ghetto inspirieren, das ihm den Untertitel "Shtil, di nacht is ojsgesternt" ("Still, die Nacht ist von Sternen bevölkert") gibt. Dieser Satz erscheint eindeutig als ein Tribut an die Opfer des Holocaust.
Was das Finale betrifft, so erscheint es zwar als eine Reihe von Variationen über die Melodie Agincourts, ist aber in Wirklichkeit von John Keats' berühmter Ballade "La Belle Dame sans Merci" inspiriert, deren poetische Form er genau verfolgt. Durch die Geschichte einer geheimnisvollen Dame, die einen Ritter ins Jenseits führt, ist es wieder eine Allegorie des "Triumphalen Todes".

Auszug aus dem Tagebuch (anlässlich der französischen Premiere in La Prée am 8. Mai 1997):
Henri Cartier-Bresson, neben dem ich in der ersten Reihe sitze, begleitet das Ende des Stückes mit dem Satz: "Une longue oraison funèbre!" (eine lange Grabrede), den er mir ins Ohr flüstert. Er hat nicht Unrecht. Der Tod ist in der Tat der rote Faden, der sich durch die vier Sätze dieser Sonate zieht und jedem seine eigene Form und sein eigenes Licht und dem ganzen Werk seine Einheit verleiht.
Im ersten Satz bedeuten die beiden Reminiszenzen an die Requiem-Sonate - die erste am Anfang des Satzes (ein unterbrochenes Echo des Beginns der Requiem-Sonate), die zweite am Ende des Satzes (das letzte Cello, das sich zum Schlussglockenschlag der Requiem-Sonate erhebt) - für mich nicht weniger als ein Abschied von einer vergangenen Epoche, vielleicht ein Abschied vom Leben selbst. Das erste Erscheinen von Agincourts Thema in langen Werten im Herzen des Satzes kündigt durch seine Stagnation den bevorstehenden, tödlichen Ausgang der Schlacht an.
Der zweite Satz: Chaconne. Im Hintergrund ein Totentanz, bei dessen Komposition ich immer wieder den Eindruck hatte, dass die Noten wie Soldaten in der Schlacht in meine Feder fielen, und wo ich sah, wie die Geister der Krieger von Agincourt auf ein Schlachtfeld zurückkehrten, das mit den Überresten ihrer Körper bedeckt war, erstaunt darüber, dass sie nurmehr Seelen waren, welche umherwanderten, mit ihren Knochen kollidierten, in eine zweite Schlacht zogen, ein lächerliches Echo der ersten in der Welt der Unsichtbaren...
Der dritte Satz, in dem ein Lied aus dem Warschauer Ghetto, eingeschlossen in einer langsamen Prozession von Achtelnoten, die zu schweben scheinen, das zertrampelte, ermordete Leben symbolisiert. Von dieser Nacht erwacht man nie wieder, diese Stille ist die des Grabes, und diese Sterne leuchten nur am Himmel der Erinnerung, wie so viele Votivlichter, die an die Erinnerung an Leben erinnern, deren Abschied nur noch von einigen wenigen armen irdischen Augen betrauert wird, die keine Tränen mehr haben.
Der vierte schließlich. Eine Ballade von Liebe und Tod nach den Konturen von Keats' Meisterwerk "The Beautiful Lady without Mercy". Wo ein Ritter allein und geisterhaft umherirrt (im Tode verbrüdert mit den Toten von Agincourt), gefangen in den Netzen einer gnadenlosen Dame, einer entfernten Cousine der Lorelei (Keats und Heine: zwei Zeitgenossen, die aus legendären und verwandten Quellen schöpfen).

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version) - nachbearbeitet von Esther Groh

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